Skandinavische Weihnachtsbräuche

© VisitFinland: Jani Kärppä & Flatlight Films

In Skandinavien ist es üblich, am Abend des 24. eine kleine Portion Milchreis vor die Türe zu stellen, um sich beim Weihnachtsmann oder auch beim Weihnachtswichtel zu bedanken. Und um Haus und Hof unter seinen Schutz zu stellen. Dem ein oder anderen dürfte das aus Astrid Lindgrens wunderbarer Erzählung „Tomte Tummetott“ bekannt sein. In allen fünf Ländern wird um den Weihnachtsbaum getanzt und man sucht nach einer im Milchreis versteckten, glücksbringenden Mandel. Ansonsten gibt es ein Lichterfest zu Ehren der Heiligen Lucia, einen verheirateten Weihnachtsmann in Finnisch-Lappland und noch einige weitere, typisch skandinavische Weihnachtsbräuche, die wir euch hier vorstellen möchten.
Ein Artikel von Anne, Catarina, Jacqueline und Nina

Weihnachten mit Kindern in Skandinavien. Weihnachtsbräuche im Norden

Visit Finnland_Vastavalo / Päivi Niemi

Lustige Julklapp-Reime und ein leckeres schwedisches Buffet
In Schweden beginnt die Vorweihnachtszeit mit dem Lucia-Fest, wenn die Kinder in weiße Gewänder gehüllt und als Lichtbringerin mit einer Kerzenkrone auf dem Kopf oder als die ihr folgenden Sternenkinder verkleidet durch die Straßen laufen. Sie gedenken der Heiligen Lucia, die Licht ins Dunkel der langen Winternächte bringen soll. Auf einem traditionellen Lucia-Umzug wird viel gesungen, musiziert und genascht. Besonders beliebt sind Pfefferkuchen und Lussekatter (süße Safranteilchen), die wirklich gut sind!
Letzte Weihnachtsvorbereitungen trifft man am 23.12., dem „Lillejulafton“, etwa die Zubereitung des traditionellen Weihnachtsschinkens oder den Weihnachtsbaumkauf. Sofern der nicht schon im eigenen Wald geschlagen wurde. Auch die Julklapp-Reime, lustige Rätsel als Beigabe zum Geschenk, werden geschrieben. „Klapp“ kommt von Klopfen. Früher wurden Geschenke mit einem lauten Klopfen vor die Tür gelegt, die Schenkenden selbst liefen jedoch unerkannt davon. Heute noch sind am 24. Türen und Fenster geöffnet. Wer weiß, vielleicht legt ja jemand ein Geschenk dort ab!
Gegenseitige Besuche finden an Weihnachten noch vor dem Essen statt. Das anschließende schwedische Buffet, das sogenannte „Julbord“, wird in der Weihnachtszeit auch in vielen Restaurants angeboten. Zum traditionellen Julskinka werden verschiedene Fisch- und Kartoffelgerichte, Fleischklößchen, Pasteten, Rotkohl und andere Köstlichkeiten gereicht. Dazu gibt es Glögg, und für die Kinder Weihnachtslimonade, die es nur in dieser Zeit zu kaufen gibt. Ein süßer Milchreis stellt den Nachtisch dar, eine Schüssel davon kommt vor die Tür. Hier gilt der Dank dem Weihnachtsmann Jultomte und seinen fleißigen Wichtelhelfern. Vor oder nach der Bescherung tanzen alle singend um den Weihnachtsbaum, der mit Lichtern und Kugeln, Strohschmuck und kleinen schwedischen Papierflaggen geschmückt ist. Auch ein kleiner Julbock aus Stroh darf nicht fehlen. Ein Wesen aus der nordischen Mythologie, das früher die Geschenke überbrachte, im 19. Jahrhundert aber durch den Weihnachtsmann ersetzt wurde. Am 25. Dezember gehen die Schweden in die Kirche. Offiziell dauert die Weihnachtszeit 20 Tage an, und endet mit dem St.-Knuts-Tag am 13. Januar.

Weihnachten mit Kindern in Skandinavien. Weihnachtsbräuche im Norden

Emelie Asplund/imagebank.sweden.se

Weihnachten mit Kindern in Skandinavien. Weihnachtsbräuche im Norden

Helena Wahlman/imagebank.sweden.se

Hauskaa Joulua – Weihnachten auf Finnisch
In Finnland wird am 13.12. ebenfalls St. Lucia gefeiert, mit Lichterkränzen und finnischen Weihnachtsliedern. Ansonsten ist Finnland die offizielle Heimat des Weihnachtsmannes, der auf dem Berg Korvatunturi in der Stadt Savukoski in Finnisch-Lappland vermutet wird. Da hier jedoch sehr viel Schnee liegt, hat „Joulupukki“ sein Büro in Rovaniemi eingerichtet, wo er zusammen mit seiner Frau „Joulumuori“ (die alte Dame Weihnachten, ja, er ist tatsächlich verheiratet!) das ganze Jahr über erreichbar ist. Und da hier Post von Kindern aus der ganzen Welt landet und immer viel zu tun ist, wird er von vielen kleinen Tonttus (elfenartige Weihnachtswichtel) unterstützt. Am Weihnachtsabend besucht der Weihnachtsmann alle Kinder und überreicht seine Geschenke persönlich.
Seit 1320 wird in Turku am 24.12. mittags um 12 Uhr der Weihnachtsfrieden ausgerufen, mit Grußbotschaft und anschließender dreitägiger Zeit der Ruhe und Besinnlichkeit. Am Nachmittag besuchen die Finnen ihre Gräber, zünden Kerzen an und verwandeln die Friedhöfe in ein helles Lichtermeer. Nun folgt traditioneller Weise ein Saunabesuch im familiären Kreis, noch vor der Bescherung und dem Weihnachtsessen. Auch in Finnland gibt es einen Weihnachtsschinken, dazu Fisch und Fleisch in verschiedenen Variationen, jede Menge Beilagen, Weihnachtskuchen und süße Plunderteilchen. Vögel und andere wilde Tiere werden mit einer Extraportion Futter beschenkt. Der Weihnachtsbaum ist typischerweise mit „Himmeli“, selbst gebastelten Mobiles aus Strohalmen, Kerzen, Kugeln und Bändern geschmückt. Am zweiten Weihnachtstag steht eine traditionelle Schlittenfahrt an, in den Städten wird ausgiebig getanzt und gefeiert. Der St.-Knuts-Tag am 13. Januar beendet dann offiziell die weihnachtlichen Feierlichkeiten.

Weihnachten mit Kindern in Skandinavien. Weihnachtsbräuche im Norden

Visit Finnland_Juho Kuva

Sieben Plätzchensorten und fröhliche Weihnachtsbaumfeste in Norwegen
Auch in Norwegen wird die Adventszeit zelebriert. Ein eigenes Weihnachtsbier, das sog. „Juleol“, braut man vorwiegend im ländlichen Bereich. Ansonsten sieht der Brauch sieben verschiedene Plätzchensorten vor, was wohl die meisten fleißigen Weihnachtsbäcker und Weihnachtsbäckerinnen befolgen. Auch die traditionelle Variante des Adventskalenders, eine mit 24 kleinen Nelken bespickte Orange, ist noch weit verbreitet. Wie in allen skandinavischen Ländern wird das Lucia-Fest am 13.12. gefeiert, mit atmosphärischem Lichterumzug und leckerem Luciakatzengebäck.
„Lille Julaften“ nennen auch die Norweger den Abend vor Heiligabend. Der Weihnachtsbaum wird aufgestellt und traditionell mit Lichtern, Lametta und kleinen norwegischen Flaggen geschmückt. Manch einer backt jetzt noch letzte Lebkuchen. Gegessen wird ein Sahnebrei mit Zimt und Zucker, und einer versteckten Mandel. Der Finder bekommt ein Marzipanschweinchen und die besten Wünsche fürs nächste Jahr. Den einfachen Milchreis, den es am 24. mittags gibt, bekommt der „Julenisse“, der Weihnachtswichtel, der zuständig für den Schutz des Hauses und natürlich für die Geschenke ist, zur Besänftigung vor die Tür gestellt. Die Tiere werden mit einem speziellen Weihnachtsfutter bedacht. Natürlich gibt es einen Weihnachtsgottesdienst und ein anschließendes Festmahl, das regional sehr unterschiedlich ausfällt. Anders als hierzulande wird nach der Bescherung eher ausgelassen bei Musik und Tanz, typischerweise um den Weihnachtsbaum herum, gefeiert.
Beim nachbarschaftlichen Weihnachtssingen am 26.12. laufen die Kinder verkleidet von Haus zu Haus und werden mit kleinen Aufmerksamkeiten belohnt. In der nachfolgenden Weihnachtszeit, die bis zum 13. Januar, dem St.-Knuts-Tag andauert, finden allerorts Weihnachtsbaumfeste mit traditionellem Gløgg und Tänzen um den Baum statt.

 

13 isländische Weihnachtsmänner und eine gefährliche Katze
Die Weihnachtszeit in Island hält einige Überraschungen bereit. Hier gibt’s nicht nur einen Nikolaus, sondern gleich 13! Während die Stiefel unserer Kinder schon am 6. Dezember mit süßen Leckereien befüllt waren, warten die isländischen Kinder noch bis zum 12. Dezember. Dann nämlich kommt jeden Tag einer der 13 großen Kerle aus der Berghöhle der Trollmama Grýla hinunter ins Tal, immer auf der Suche nach Skýr, Würstchen oder anderen isländischen Leckereien. Die findet er auf dem Fenstersims neben den Schuhen der Kinder, die nachts herausgestellt werden. Die isländischen Weihnachtsmänner sind Trollkinder, die nur im Dunkeln unterwegs sind – dem Hörensagen nach erstarren sie bei Tageslicht zu Stein. Glücklicherweise gibt es ja um diese Zeit in Island nur vier Stunden Licht am Tag!
Von den dunklen Tagen um die Weihnachtszeit lassen sich die Isländer nicht beeindrucken, im Gegenteil: Umso lauter und doller tanzt und singt die ganze Familie um den Weihnachtsbaum. Es gibt Leckereien wie den „Möndlugrautur“, ein Milchreisgericht, bei der in einer der Schüsselchen eine Überraschung wartet: Wer die ganze Mandel in seiner Portion erwischt, der bekommt eine Belohnung, nämlich das Mandelgeschenk „möndlugjöf“. Nach dem Essen wird beschert und in einer Reihe um den Baum getanzt und gelacht und noch mehr gesungen. Die Weihnachtslieder handeln u.a. von der Grýla, ihren Söhnen und auch von ihrer Katze, der „jólakötturin“. Auf die müssen die Kinder besonders Acht geben zur Weihnachtszeit: Denn sind sie nicht schön gemacht und herausgeputzt für den Weihnachtsabend oder waren gar unartig, dann heißt es aufgepasst! Die Weihnachtskatze frisst nur allzu gerne Kinder, die keine neuen Kleider tragen oder einmal zu frech zu ihren Eltern und Geschwistern waren. Aber keine Angst, dazu muss sie sie ja auch erst einmal fangen! Ansonsten wünscht man sich in Island „Gleðileg jól!“, ein frohes Weihnachten, mit vielen schönen Liedern, einem leckeren Weihnachtsessen und fröhlichem Beisammensein.

© Íslandsstofa / Promote Iceland

© Íslandsstofa / Promote Iceland

Weihnachtshygge in Dänemark
In der Adventszeit dreht sich bei den Dänen alles um julehygge („Weihnachtshygge“). Freunde und Familie kommen zusammen, man zündet Kerzen an und schmückt die Wohnung weihnachtlich. Dazu gibt es Kaffee, Tee, Plätzchen und Schokolade.
Am 23. Dezember, der hier Lillejuleaften (kleiner Heiligabend) genannt wird, werden letzte Geschenke eingepackt, Plätzchen fürs weihnachtliche Kaffeetrinken gebacken und das Weihnachtsessen vorbereitet. Abends gibt es risengrød (Milchreis) mit Zimt und Zucker, dazu Bier für die Erwachsenen und Malzbier für die Kleinen. Eine kleine Schüssel davon bringen die Kinder auf den Dachboden oder in den Schuppen, denn hier wohnen die Nissen (Weihnachtswichtel), und die lieben risengrød! Auf diese Weise bedanken sich die Kinder für ihre Hilfe beim Dekorieren, Geschenkeeinpacken und Weihnachtsbaumschmücken.
Am 24. Dezember (Juleaften), wenn die Eltern die letzten Vorbereitungen treffen, dürfen die Kinder Weihnachtsfilme im Fernsehen ansehen. Zum Beispiel die 24. Folge der Weihnachtsserie im Weihnachtskalender (julekalender), die jedes Jahr in der Adventszeit ausgestrahlt wird.
Einer der Höhepunkte an Heiligabend, neben der Bescherung natürlich, ist das Weihnachtsessen, das aus Lachs, Schweine- oder Entenbraten, Rotkohl, Kartoffeln, Gurkensalat und Sauce besteht. Zum Nachtisch gibt es Risalamande, ein typisch dänisches Weihnachtsdessert: Mit Schlagsahne verfeinerter Milchreis, dazu gehackte Mandeln und heiße Kirschsauce. Eine ganze Mandel ist im Dessert versteckt, den Finder erwartet, wie in anderen skandinavischen Ländern auch, ein Extrageschenk. Ein lustiges Spiel, bei dem manche versuchen, die Mandel so lange unter der Zunge zu verstecken, bis der Rest der Familie das komplette Dessert verputzt hat. Nach dem Festmahl versammelt sich die Familie im Wohnzimmer. Der Weihnachtsbaum, der in Dänemark mitten im Raum steht, ist mit Fröbelsternen, Weihnachtsherzen aus Glanzpapier und kleinen Tüten mit Süßigkeiten geschmückt. Alle fassen sich an den Händen, gehen um den Weihnachtsbaum herum und singen Weihnachtslieder. Oft wird beim letzten Lied durchs ganze Haus getanzt, bis schließlich alle müde und erschöpft aufs Sofa fallen. Jetzt werden die Geschenke verteilt und der Abend klingt im Kreise der Familie langsam aus.

© Kristian Krogh / Visit Denmark

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